Bereitstellung des vollständigen Quellcodes

Die Quellcode Illusion entkräften

Als Softwareentwickler erhalten Sie Anfragen nach dem vollständigen Quellcode Ihrer Software? Einige Unternehmen bieten diese Option an, um Kunden zu beruhigen – mit der Idee, dass sie die Software weiterhin nutzen können, falls der Anbieter seinen Betrieb einstellt.

Auch wenn dies auf den ersten Blick verlockend erscheinen mag, sieht die Realität oft anders aus. In den meisten Fällen handelt es sich um ein Missverständnis, das für den Kunden kaum Vorteile bringt. Hier sind die wichtigsten Gründe dafür:

Die Komplexität von Unternehmenssoftware

Enterprise-Software entsteht meist über Jahre hinweg durch mehrere Entwickler und umfasst oft Hunderttausende Zeilen Code – häufig ohne umfassende Dokumentation. Ein solch umfangreicher Code ohne entsprechende Anleitung kann kontraproduktiv sein und wertvolle Entwicklerressourcen binden.

Zeit- und Ressourcenaufwand

Software wird primär gekauft, um Zeit zu sparen und sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Selbst wenn ein Anbieter seinen Support einstellt, bleibt dieses Grundbedürfnis bestehen. Die Auseinandersetzung mit einem komplexen Codebestand lenkt von den eigentlichen Geschäftsaufgaben ab und kann das Budget erheblich belasten.

Sicherheitsrisiken

Die Weitergabe des Quellcodes erhöht zudem die Angriffsfläche für Hacker, die Sicherheitslücken ausnutzen könnten. Dadurch gerät nicht nur die Software selbst, sondern auch das gesamte System, in dem sie betrieben wird, in Gefahr.

Übergangsphase nutzen

Selbst wenn der Anbieter ausfällt, bleibt die Software oft noch für eine gewisse Zeit funktionsfähig. Diese Übergangsphase ermöglicht es, strategische Entscheidungen zu treffen und alternative Lösungen zu evaluieren.

Trügerisches Sicherheitsgefühl

Der Zugang zum vollständigen Quellcode mag auf den ersten Blick beruhigend wirken, erzeugt aber oft eine falsche Sicherheit. In den meisten Fällen ist es sinnvoller, nach Support-Ende des Anbieters eine Alternative zu suchen, anstatt zu versuchen, den Code intern zu pflegen oder weiterzuentwickeln.

Fazit

Ein treffender Vergleich: Wer einen Fernseher kauft und dieser defekt ist, wird kaum versuchen, ihn anhand der technischen Spezifikationen selbst zu reparieren. Stattdessen liegt es nahe, ein neues Gerät zu beschaffen und sich schnell anzupassen. Auch wenn ein Anbieterwechsel herausfordernd sein kann, ist eine pragmatische und zukunftsorientierte Herangehensweise meist der beste Weg.

Alternative: Das Escrow-Verfahren

Das Escrow-Verfahren ist eine Treuhandlösung, bei der der Quellcode einer Software bei einem neutralen Dritten (Treuhänder) hinterlegt wird. Dies stellt sicher, dass der Lizenznehmer im Falle eines Ausfalls oder der Insolvenz des Softwareanbieters Zugriff auf den Quellcode erhält. Für den Softwarekäufer bietet dieses Verfahren mehrere Vorteile: Es reduziert das Risiko einer vollständigen Abhängigkeit vom Anbieter (Vendor Lock-in), gewährleistet die langfristige Nutzbarkeit der Software und ermöglicht gegebenenfalls eine eigenständige Weiterentwicklung oder Wartung durch Dritte. So bleibt der Geschäftsbetrieb auch ohne den ursprünglichen Anbieter gesichert.

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